Eine Menge Schotter. Wie die Gelder des Innovationssauschusses besser angelegt wären.

1,2 Mrd. Euro fließen in den Innovationsfonds des G-BA. Geld, mit dem verschiedene Projekte der Versorgungsforschung gefördert werden. Projekte, die in die Regelversorgung und Selektivverträge fließen können. Und weil wir in Deutschland sind, soll das mit dem Innovationsfonds natürlich weiter gehen. Geld macht abhängig.

Halbzeit der Projektlaufzeit des Innovationfonds. Zeit für G-BA-Vorsitzenden Hecken, auf einer Veranstaltung Zwischenbilanz zu ziehen.

Die kritische Diskussion, die Hecken eingefordert hat, ist natürlich unterblieben. Kein Wunder, wenn die Akteure sich selbst kritisieren sollen.

Vor diesem Hintergrund einige Anregungen, was mehr Energie nach Vorne freisetzen würde. In einem Satz: Statt IV-Modelle mit größerem Geld als Innovationsfonds zu promoten, wäre es sinnvoll, über die Rahmenbedingungen nachzudenken, damit mehr Innovation, mehr neue, bessere Versorgungsmodelle in die Versorgung kommen:

1) Nicht starr, sondern dynamisch denken

Innovation lässt sich nicht in dreijährigen Projekten (inkl. Evaluation) realisieren. elektronische Gesundheitskarte, Patientenakte, Telematk-Infrastruktur, Digitale Anwendungen, neue Versorgungsformen, neue Erkenntnisse der medizinischen Forschung, die Nutzung realer Versichertendaten für die Forschung, Big-Date, künstliche Intelligenz, die Bestandteile der Innovationspipieline sind bekannt, ihr Wirken, aber vor allem ihr Zusammenwirken hängt von vielen Faktoren ab.

Sie braucht vor allem mehr Freiräume, um sich entfalten zu können. Neues geht oft neue Wege. Und: Es bilden oder etablieren sich neue Akteure. Warum auch nicht!

2) Rahmen und Regeln vereinfachen

Das Gesundheitssystem leidet an einem Übermaß an Regulierung, Reglementierung und Alimentierung. Dieses Administration von Oben schafft erst einmal Bewegungsarmut aller Akteure, wenn neues Geld, neue Regulierung unterbleibt. Statt neue Projekte zu fördern, wäre es notwendig, über eine neue, entrümpelte Governance nachzudenken, die es erlaubt, dass Institutionen ihre Rolle neu definieren, begreifen und entwickeln können.

3) Innovation als Prozess begreifen

Das Gesundheitssystem denkt in starren Institutionen. Ambulante und stationäre Versorgung, Spitzenverbände, Kassenärztliche Vereinigungen. Um bei letzterer zu bleiben: Wenn es nciht mehr gelingt, die flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, warum spricht man dann nicht darüber, Versorgungsverträge regional auszuschreiben; – und damit den Innovationsdruck zu erzeugen, der längst notwendig wäre. Über 1000 Allgemeinarztsitze sind derzeit unbesetzt, die jetzt anstehende Ruhestandswelle wird noch größere Lücken reißen, junge Ärztinnen und Ärzte wollen nicht mehr auf dem Land mit Hausbesuchen tätig sein, Neues Denken ist überfällig.

Oder Kassen und Krankenversicherungen. Warum wird nicht darüber diskutiert, inwieweit eine Differenzierung von Krankenkassen und -Versicherungen (und eine Definition von Regelleistungen) für unterschiedliche Zielgruppen und Erkrankungen nicht zu problemorientierten Lösungen führen könnte?

Mehr Experimentierfreudigkeit, mehr Design-Thinking ist notwendig. Spielräume schaffen und die Akteure im Gesundheitssystem in Verantwortung nehmen.

4) Mehr Differenzierung und Suchmechanismen akzeptieren

Das alles erfordert den Mut der Politik, Bürgerinnen und Bürger auf mehr Veränderung einzustimmen. Eine Politik, die über jedes Problemstöckchen springt, das ihr Medien hinhalten und das Problem selbst lösen will, hat schon verloren. Die Form der Gesundheitsversorgung von Morgen ist heute noch  nicht absehbar. Fest steht, dass es nicht die Form von Gestern und heute sein wird.

Innovation erfordert Mut, eine Fehlerkultur aus der man lernen kann. Wie kann ein solches Modell aussehen? Niemand weiß das derzeit.

5) Coverantwortung einfordern

Statt “neutrale” Evaluation Dritter durch Aufsicht, Selbstverwaltung und Politik wäre die Coverantwortung von Antragstellern ein erfolgversprechender Weg, um, statt einmaliger Evaluation ein dauerhaft lernfähiges Ökosystem von Akteuren zu schaffen.

6) Investitionssicherheit gewährleisten

Wer Verantwortung übernimmt, braucht Kalkulationssicherheit. Mehr Delegation von Verantwortung erfordert Zurückhaltung des politischen Rahmensetzers. Die Selbstreflektion der Gesundheitspolitiker und Spitzenverbände über die positiven und negativen Folgen ihres Wirkens ist kostenlos. Und dringend überfällig.

7) Kompetenzen und Prüfmechanismen des Bundesversicherungsamtes neu regeln

Das Bundesversicherungsamt, die Aufsicht der Krankenkassen, prüft nach Regeln der Kameralistik, während sich Kassen künftig stärker proaktiv engagieren müssen. Die Monopolkommission hat in ihrem letzten Sondergutachten Vorschläge vorgelegt, wie eine Vereinheitlichung von Bundes- und Landesaufsichten sowie eine Neuausrichtung der Prüfung möglich wäre.

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