To Big to Fail. Das Beispiel Autoindustrie.

Beim Thema Autoindustrie bin ich hin und her gerissen. Hin, weil der Einblick in die Verabredungen auf Vorstandsebene Betrug und kriminelles Handeln auf ganz hohem Niveau sind. Her, weil eine Bestrafung der Vorstände oder das Blutenlassen der Autohersteller ja auch keine Lösung ist. Und gänzlich ratlos bin ich, weil ich mir gleichzeitig wieder ein Auto beschaffen muss. 

Fangen wir einfach mit der Beschreibung des Tatbestandes ein. Um also den Kundenkomfort zu maximieren, wurden die AdBlue Tanks minimiert.Damit das nicht auffällt wurde die Software zum Klimabetrug eingebaut. Am Messtand war alles in Ordnung. Sonst nicht. Zum Tatbestand gehört auch, dass es nur durch die Hartnäckigkeit der US-Behörden, in Deutschland dem entschiedenen Kampf der DUH zu danken ist, dass das Thema überhaupt zum Laufen kam.

 

Auf der Ebene muss ich einräumen: Die Bereitschaft zum Betrug ist auf Vorstandsebene einfach doch höher als gedacht. Zuviel überschießendes Selbstbewußtsein. 

Aus den anderen Parteien haben sich alle Lobbyisten rausgekauft. Die Grünen sind zum Nulltarif geschmeidig.

Dann die Rolle der Politik. Bei Merkel wusste man, dass Ex-Kollege Wissmann ihr quasi auf dem Schoß sitzt. Wissmann, der jetzt auch nichts davon wusste, dass seine wichtigsten Mitglieder, teilweise in seinem Hause, zu kriminellen Handlungen bereit waren und dafür zur Kartellbildung gegriffen haben, ist das Unschuldslamm. Nichtwissen und kassieren ist ein opportunes Geschäftsmodell. Nur seine Corporate Governance Initiative kann er sich ans Bein schmieren.

Im Grunde ist es, den Populisten Seehofer nehmen wir mal aus, egal, welche Partei am Ruder sitzt. Bei VW und der SPD Connection wundert sich niemand, Daimler hat ja von Klaeden eingekauft, die Grünen machen solche Gefälligkeitsdienstleistungen umsonst. 

Oder hat irgendjemand irgendetwas Kritisches von der grün geführten baden-württembergischen Landesregierung gehört? Irgendein Statement, das mal klar macht, dass der Dieselfahrer Kretschmann trotz Dieselkauf dazu fähig ist, Betrug Betrug zu nennen?

Nein, lammfrommes Schweigen. 

Die Politik setzt jetzt ja auf Übersprungshandlungen, Ersatzlösungen und Lösungsprojektionen. The Big Blubb: das eAuto. Mit dem eAuto, befürchte ich, ist es wie mit der Atomindustrie früher: Sie wurde zum Projektionsbild der Politik, die Unternehmen wurden verdonnert, das umzusetzen. Und am Ende steht die Politik wieder mit dem Entsorgungsmist da, den sie im Grunde selbst angerichtet hat. 

Nur, dass sich niemand mehr daran erinnert. 

Elektro-Auto ist ne nette Idee. Jetzt kümmern sich die Chinesen drum. 

Das Elektro-Auto kann Teil einer Lösung sein. In welcher Größenordnung, weiß niemand. Deutsche und europäische Quotenpläne sind weitgehend obsolet, meine These. Die Chinesen mit dem am Schnellsten wachsenden Mobiliätsmarkt der Welt nehmen den Grünen die Arbeit ab. Dass von Klaeden zwar in der Provinz politische Probleme abräumen kann, weiß Zetsche. Dass er das in China kann, davon geht niemand aus. Auch Merkel kann nur Druck mindern, die Chinesen wissen, dass sie bei Elektromobilität zumindest dasselbe technologische Niveau haben. Denn Deutschland startet bei Null, wenn wir von der deutschen Post und BMW mit seinem i3 Versuchslabor mal absehen. 

Das aufgeregte Gerede deutscher Politiker zu diesem Thema erzeugt bei mir nur noch müdes Lächeln. Wer zu spät kommt, den bestraft der Wähler. 

Gesucht: Ein Auto. Gefunden: Jede Menge Fragen.

Weil ich aufs Land ziehe, brauche ich jetzt wieder ein Auto. Was tun? Einen Beitrag zur Umwelt möchte ich gerne leisten. Eauto kommt nicht infrage, die Reichweite und Ladezeiten sind mir einfach zu lange. Ein Toyota Hybrid? Ich kann mich mit dem Design dieser Firma einfach nicht anfreunden, ich mag keine verzerrten Autofratzen, mit denen ich peinlich berührt durch die Gegend fahre. Ein Gas-Auto aus dem VW-Konzern war scheinbar die Lösung, doch statt der 4 Monate Lieferzeit für einen gasgetriebenen Octavia sind es plötzlich 7 geworden. 

Ganz schön viel Zeit, wenn man das Auto sofort braucht. 

Ich bin noch im Entscheidungsmodus. 

Da ich derzeit jede Woche mit nem anderen Mietwagen fahre, kenne ich inzwischen viele Autos und ihre Verbrauchswerte. Ich kenne auch die Dieseldiskussion. Wer allerdings den Verbrauchsunterschied eines Diesels gegenüber eines Benziners auch der neuesten unter 1 Liter Generation realisiert, gut und gerne 2 Liter, der kommt doch ins Grübeln. Auch wenn rechnerisch Tote in Städten gegenüber stehen. 

Gibt dann noch die SUV Diskussion, weil es so bequem ist, einzusteigen, die in mir tobt. Ob und wann ich erliege, weiß ich noch nicht. 

Im Leasingvertrag habe ich Rücktrittsoptionen. Jetzt zählt für mich im Ende vor allem, wer liefern kann. Und, dass mit das Auto halbwegs gefällt. 

So einfach fallen dann Entscheidungen. 

Was ich mit all dem sagen will: 

Jeder von uns ist Teil des Problems. Wie man in meinem Falle nachvollziehen kann, beginne ich, mich von “schlechter Gewissens-Moralität” freizumachen. Umweltschutz wird mitgedacht, wenn es ohne großen Aufwand mit erledigt werden kann. Aber schon geringe Störungen reichen, um ihn hinten runterfallen zu lassen. 

Trotzdem, oder gerade deswegen, vermisse ich den “aufrechten Ton” in der Politik. Alle säuseln oder setzen auf Zukunftspläne, die jetzt keine “harten” Maßnahmen erfordern. Das ärgert mich. 

Was tun?

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „To Big to Fail. Das Beispiel Autoindustrie.

  1. Hallo Nikolaus,

    welch ein Stein fiel mir vom Herzen: Endlich was Neues auf Frühstücksfernsehen.
    Ich hatte wirklich Angst, deine Gesundheit stände nicht zum Besten!
    Ist ungewöhnlich gewesen, dass du dich im Vorfeld der Wahl nicht einmischt. Ich hoffe es ist alles gut?!

    Ganz lieben Gruß
    Ralf
    P. S.: Starker Artikel zu deinem Thema: http://www.nachdenkseiten.de/?p=39754

    P.S.2: Ich fahre übrigens 🙂 seit einem Jahr einen Toyota Hybrid. Er ist nicht schön, ist eng, schreckliche Piepsgeräusch und zuviel Elektronik. Aber 4 Liter in der Stadt und mein Rollstuhl passt rein.
    Um innovativen Modellen das Leben schwer zu machen hat es die deutsche Lobby geschafft, dass ich ihn in der zweithöchsten Klasse in der Vollkasko versichern muss. Da sind sonst nur Ferraris und Masseratis vertreten…. und umweltschonende Exoten….

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.