Mögliche grüne Lehren aus NRW

Es liegt auf der Hand, aber weder die Sozialdemokraten noch die Grünen möchten es wahrhaben: Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hat von politischen Maulheldentum, “kein Kind zurück lassen” und ähnlich, die Schnauze voll. Die Vollmundigkeit, mit der Sozialdemokraten, besonders beredt Frau Schwesig bei Anne Will, über weitere soziale Programme, Umverteilung, Gerechtigkeit, reden, -die Grünen tun das ja auch, aber satteln noch immer zwei Schlag ökologische Erneuerung drauf-, steht der Realität gegenüber. Und da sind mit Integration und Inklusion zwei Schlagworte aufgerufen, die die Schulen längst überfordert haben und weiter überfordern. Auch wenn Sylvia Löhrmann ne tragische Figur dabei abgibt. Schließlich hat sie viel dafür getan, den Ball flach zu halten, Bildungspolitik zu entideologisieren. Meine Vermutung: Es fehlte an der Ausstrahlung eines Robert Habeck, am Mut, sich als Person medial zu präsentieren, als Repräsentantin zu agieren. Sachpolitik alleine ist offensichtlich keine Lösung. 

Warum eigentlich punktet eine Antipolitikerin wie Angela Merkel?

Jetzt sagen alle, das war eine Landtagswahl. Wer auf eine Erholung setzt, wird allerdings eine bittere Enttäuschung erleben. Die Bürger begreifen, dass Politik auch nur mit Wasser kocht, weswegen Antipolitiker wie Angela Merkel punkten können. Das zweite Momentum zählt aber noch mehr: In Zeiten von Trump und Brexit, Flüchtlingsfragen und anderen globalen Themen wollen die Menschen vor allem wissen, wie die Parteien die Fragen des Hier und Heute, also die globalen Fragen, betrachten, bevor sie sich mit Umbauplänen für Energie, Landwirtschaft, Mobilität und weiteren famosen Dokumenten politischer Schaffenskraft beschäftigen.  

Den Grünen fehlt Haltung. Deswegen vertraut niemand mehr ihren Programmen

Und da versagen Grüne, allen voran die realpolitische Spitzenmannschaft, kläglich. Keine Führung, keine Haltung. die anderen anprangern, aber selber keine Antwort auf diese schwierigen Fragen haben, sie man das professionell handhabt, das hat das Kampfschwein Jürgen Trittin bei Anne Will erstklassig gezeigt. Scharf im Ton, bestens informiert wie immer hat er auf die rotrotgrüne Regierung in Berlin verwiesen die die Zahl der Polizisten erhöht habe. Dass dies auf das grüne Konto bundesweit einzahlt, ist nicht zu erwarten, weil eben diese Haltung, sich zu den Fragen des Hier und Heute, der Selbstbehauptung Europas, den Irrweg der USA, die wettbewerbliche Aufstellung gegenüber den asiatischen Ländern, die Wehrhaftigkeit gegenüber Russland, die Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich der Sicherheit im eigenen Land, der kollektiven und der privaten, zu verhalten, keinen Widerhall in den vorliegenden Programmentwürfen findet. 

Es gilt der Grundsatz: Wer sich intern nicht durchsetzt, dem soll man Deutschland auch nicht anvertrauen. 

Grün träumt sich weg, über diese Erkenntnis helfen auch keine zwei realpolitischen Spitzenkandidaten, die ohnehin weniger sichtbar sind, weniger Führung zeigen, weniger greifbar sind als etwa ein Jürgen Trittin, hinweg. Das grüne “Innen”, die Partei, ihre Funktionäre und ihr aktivistisches Umfeld, will “mehr Politik wagen”. Und solange das Spitzenteam diese überbordende Selbstüberschätzung nicht einholt, werden die Grünen auch bundesweit hart Kurs auf die 5 Prozent Marke nehmen. Als dritte Links- und Gerechtigkeitspartei sind sie überflüssig. Und den Mut, die Rolle als Orientierungspartei kantig, selbstbewußt und mit dem Pfund der eigenen Beliebtheit zu spielen, den hat Cem Özdemir nicht. Erst muss er zeigen, dass er seine Partei auf Linie zwingen kann, bevor ihm die Bürgerinnen und Bürger ihr Vertrauen geben, für sie Regierungsverantwortung zu übernehmen. 

Last Call Berlin. 

Wer jetzt nicht reagiert, ist selber schuld. Um die Dinge in Bewegung zu bringen, dazu braucht es Grüne mit Blick aufs Ganze. Davor dass Grüne Manuela Schwesigs Umverteilungs- und Gerechtigkeitsagenda ergänzen und erweitern, davor fürchtet sich der und die grüne Wählerin. Bodenhaftung, Bescheidenheit, Mut. Und die Konzentration darauf, was ansteht, das müssen Grüne sichtbar machen. Deutungshilfen, für die, die sie wählen sollen, müssten sie geben. 

Die Grüne Villa Kunterbunt kann warten. 

 

2 Gedanken zu „Mögliche grüne Lehren aus NRW

  1. Moin, sehe ich im Großen und Ganzen leider genauso. Mit einem Unterschied: Trittin mag laut und gut informiert sein, er ist aber auch arrogant, überheblich und belehrungsresistent. Und so kommt er auch rüber. Obwohl ich schon froh bis, dass überhaupt einer „Eier“ zeigt, dachte ich gestern, so punktet man nicht. Überhaupt kein Witz, nur arrogante Bissigkeit. Hier hat jemand deutlich seine Zunkunft hinter sich. Wenn die GRÜNEN nicht schnell eine andere Gangart einlegen, dann wird es sehr eng.

  2. Wer sind diejenigen, die Grün wählen, scheint mir die entscheidende Frage!
    Wichtiger als die Frage: Wer von den Grünen soll gewählt werden!

    Für mich und genügend viele Wahlberechtigte steht Grün seit Jahrzehnten klar und vorbildlich als einzige Avantgarde insbesondere für:
    gesunde Umwelt, Nachhaltigkeit, Natur- & Tierschutz, Klima- & Energiebewußtsein, Atomausstieg, Frackingverbot, Toleranz, Vielfalt, Gleichberechtigung, Menschlichkeit, Frieden, Fortschritt, internationale Solidarität, Selbstkritik.
    Wer sonst!

    Einzelne Kandidaten, ihre Schwächen, oder Farbspiele und Episoden, auf welcher Ebene auch immer, werden daran nichts ändern.

    Ebensowenig wird die opportunistische Häme etablierter Mainstream-Medien mit ihren suggestiven Umfragen und Berichten etwas am Grünen-Kern ändern und auch nicht hasserfüllte Kommentare rechter Demagogen und ihrer Nachplapperer.

    Es kommt m. E. auf die zuversichtliche politische Diskurs-Stärke, die innerparteiliche Dynamik und auf ihre Erdung in der Zivilgesellschaft an, insbesondere in emanzipierten Familien, NGOs, in Bürgerinitiativen und in zukunftsweisenden Projekten auf dem Land und in der Großstadt.

    Wer diese enkeltauglichen Werte nicht schätzt, findet sich eher in den anderen Parteien wieder.

    Und derzeitige innerparteiliche Querelen über eigene oder externe Wahlprognosen für Europa, Kommune, Land oder Bund – sind solange dumm, wie sie die Profile der tatsächlichen Anhängerschafte hier und dort außer Acht lassen.

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