Wishes for Green. Wie sich Bündnis 90/Die Grünen vor der Fahrt ins Abseits schützen können.

Erinnerung: Alle reden von der Einheit, wir nicht. So sind die Grünen schon einmal falsch abgebogen. Sie haben die Realität geleugnet und so aus dem Parlament gekickt worden. Die Ossis haben sie gerettet. 

Worstcase-Szenario 2017: Die Grünen kommen unter 5%, nur die Direktkandidaten Cem Özdemir und Canan Bayram kommen in den Bundestag und halten die grüne Flagge als Direktkandidaten hoch, während der Rest sich auf Jobsuche begibt oder über das Scheitern nachdenkt. Die Idee ist nicht von mir, bringt es aber auf den Punkt: Der grüne Kern träumt lieber weiter, anstatt sich den Unbilden der Wirklichkeit zu stellen. 

Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit, der Satz stammt von Max Weber, glaube ich. Der Aufforderung Katrin Göring Eckardt, das Programm zu lesen, bin ich gefolgt. Mein Resumee:

Ein Buch voller feinster Wünsche, geschrieben für die Ewigkeit. Die Idee, drei konkrete Projekte jeweils am Ende anzukleben, ist gut. Aber der Zusammenhang mit dem Leittext ist oft willkürlich. Und: Das Ganze kommt ja auch noch auf den Basar der Abstimmungen. Wir bleiben gespannt. 

Die Wirklichkeit heute: Ein Erdball voller Veränderung. Disruptiv digitale Gründerzeitstimmung weltweit, der Aufbruch und der wachsende Reichtum in anderen Regionen, der relative Wohlstandsverlust des Westens. Die Gewichte verschieben sich, der ökonomische Imperialismus des Westens geht zu Ende. 

Dazu die neuen Oligarchen, Putin, Erdogan, Trump. 

Und die neuen Rechtspopulisten. Trump, Wilders, Le Pen, die AfD. Und während sich die Linke in Deutschland noch immer auf der Sonnenseite der Gutmenschen wähnen, artikulieren die rechten Populisten vor allem, was ihnen stinkt. Dieses Gesäusel von oben. Alles wird gut, wenn wir weiter Weltoffenheit und Welcome Refugees fordern. Nichts wird gut, äußert die Straße, die Robusten, die weniger Gebildeten, die den Kunstwerken der Politikinterpreten längst keinen Glauben mehr schenken.

Jetzt kommt Schulz! Ich sage: Populismus von Links. Er suggeriert, man könne das Rad zurückdrehen, Hartz IV wieder abschaffen (niemand erinnert sich an vorher). Und alles wird gut. 

Wann kommt Cem? Der Einzige in der grünen Spitze, dem ich den Wirklichkeitsschock zutraue. Er kommt nicht aus der biodeutschen Wohlstandsblase, er hat die Höhen und Tiefen des Politikerlebens bereits kennen gelernt, er weiß um die Konflikte im arabisch-islamischen Raum. 

Mein Wunsch: Eine grüne Partei, die reflexiv und nachdenklich in die Bundestagwahl geht. Die sagt, dass in Zeiten von Trump, Putin und Erdogan Visionen warten müssen. Die mal ein Wort dazu verliert, dass die deutsche Stärke, Erfindergeist, Unternehmergeist, zwar eine kritische Begleitung der Politik, harte Ansagen brauchen, aber nicht immer Förderkonzepte und politisch dominierte Aufzuchtspolitik. 

Die grüne Energiewende ist eine Erfolgsgeschichte. Noch. Aber spätestens die Äußerungen Rainer Baakes, des grünen Staatssekretärs für die schwarzrote Fortführung der Energiewende zeigen: Politische Erfolge sind erst dann solche, wenn die Subventionen, die aufgebaut sind, wieder abgeschafft worden sind (Lautes Geschrei auf den regenerativen Lobbyistenbänken). 

Wozu also Grüne? Für mehr Worklife Balance, gesetzlich verordnet, für LGDB (heißt das so?)-Gerechtigkeit? Für Gendersternchen und sonstige abgefahrene LinquistInnnenscherze? 

Was wir brauchen, sind Grüne, die ihre eigenen Selbstgewissheiten, dieses übergriffig Nichtsteuernde der Politik, abräumen, und die Kräfte für eine Vorwärtsbewegung der Gesellschaft mobilisieren. Die Welt in 20 Jahren wird eine andere sein als heute. Was wir brauchen, ist ein Bekenntnis zu Leistung, Zusammenhalt, gesellschaftlicher Zusammenhalt, nicht höhere Hartz IV-Sätze, kritische Prüfung, ob die von der Bundesagentur finanzierten Fortbildungsmaßnahmen wirklich leistungsadäquat sind. Die Mobilisierung der Mittel- und Oberschichten in einer Zeit, in der Themen, Ökologie, globale Wanderung, ökonomische Leistungsfähigkeit, sozialer Zusammenhalt abgewogen werden müssen, in der es keine fertigen Pläne, sondern nur nächste Schritte geben kann. 

Dazu braucht es Mut. Mut gegenüber der eigenen Geschichte und dem Ende der Unbescheidenheit. Dazu braucht es Führung und klare Ansagen. Joschka Fischer war so einer, der Parteihierarchie und die ganzen Papiere ignoriert hat, wenn er das Gefühl hatte, es geht den Bach hinunter. Debatten brauchen Richtungsentscheidung. Von Führungsfiguren. 

 

Dann mal los!

 

Ein Gedanke zu „Wishes for Green. Wie sich Bündnis 90/Die Grünen vor der Fahrt ins Abseits schützen können.

  1. YES – dann bleibt die Frage wer ist der Joschka Fischer der Grünen von Heute und wann tut er / sie was? Oder wo ist die Martin(a) der Grünen? Meine eigene Sicht der Welt – mit viel „aber wisst Ihr eigentlich wie tolle es Euch geht, denn da draussen….“ interessiert hier leider nicht wirklich. Gerne würde ich mich für dieses Land mit seiner unvorstellbar hohen Lebensqualität engagieren. Ohne die Erkenntnis, dass sich alles ändern wird und dass wir in Deutschland das nicht verhindern können werden alle Parteien (ausser den Populisten) einen sehr schwierigen Stand haben.

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