It’s democracy, stupid! Was uns der Brexit Kater lehrt.

Die Briten haben entschieden. Und fieberhaft suchen die einen nach Auswegen, wie das Volksvotum doch noch umzudeuten ist, die anderen wollen den Rauswurf mit Fußtritt, damit nicht (ja, da schau her:) Frankreich, Holland, Spanien auch noch austreten, nicht, weil die jetzt regierenden Politiker wollen, sondern die, die in den Startlöchern stehen: Rechtspopulisten.
Und die Linke (also, die versammelte Linke rot, rot und grün): Die will mehr Europa. Mehr gerechtes Europa, wie es z.B. Michael Braun, der taz Korrespondent in Rom, fordert. Und da geht der Irrsinn weiter. Man diskutiert nicht, wie mehr Gerechtigkeit herzustellen ist (und wie die notwendige wirtschaftliche Kraft erhalten oder gesteigert werden kann), sondern beschwört einfach, dass es geht. 
Schön wär’s. 

Da hätten ja auch die Sozialdemokratin Angela Merkel und der Volksfürst Seehofer nichts dagegen. So aber wirken die Beschwörungsformeln von Gerechtigkeit wie Ablenkungsmanöver. Ablenkung davon, dass mehr Leistungsfähigkeit und mehr Gerechtigkeit von vielen Faktoren abhängt, auch davon, dass die politischen Eliten nüchtern und korruptionsfrei regieren. Da sieht es ganz schön mau aus in verschiedenen Ländern, doch es gibt ein unausgesprochenes Einverständnis aller Politiker, nicht mit dem Finger auf schlechte Zustände in anderen Ländern zu zeigen. So entsteht die unkritische Subventions-EU. So verliert Europa, je mehr es umverteilt, an Kraft und Dynamik. 
Solange, das ist meine These, die linken Parteien ihren Wählern nicht reinen Wein einschenken und solange sie weiter suggerieren, das Rumpeln der Welt und des Kapitalismus wären so einfach auflösbar, sind sie der Steigbügelhalter der Rechtspopulisten. Die Wanderungsbewegung von links zu rechtspopulistisch zeigt das deutlich. „Wir wollen unseren alten, schönen Aufbaukapitalismus wieder zurück.“ Dass der auf den Trümmmern der Nazizeit aufgebaut war und gerade dem Kriegsverlierer Deutschlands traumhafte Verhältnisse bescherte (England übrigens nicht), wird geflissentlich ignoriert. 
Der Westen, Europa, jedes der europäischen Länder und auch die alte Schutzmacht USA stehen vor neuen Herausforderungen: How to run the world. Ohne, wie bisher, den Rest der Welt einfach als Zulieferer, Umfeld, Kolonie, Ressource, betrachten zu können. 
Rational, das sollte die rationalitätshörige Linke mal endlich verstehen, ist das alles nicht: Es geht um eine Leitformel, der Vertrauen geschenkt wird. Vertrauen in Zeiten der Unsicherheit.
Ich kann manche der verzweifelten oder verbockten Öffnungsgegner schon verstehen. Menschen in nichtakademischen Berufen sind seit Jahren einer manchmal schleichenden, manchmal heftigen Entwertung ihrer Qualifikation ausgesetzt. Und einem Verlust an Wohlstand, Einkommen und Sicherheit. Das kann auch keine Politik einfach auflösen. Wir alle wissen, dass Weiterqualifizierung, Flexibilität und Veränderung die einzigen Auswege aus der Weiter So Falle sind. 
So scheitert Politik nicht an der Welt, sondern am Erwartungsmanagment. Sie versagt angesichts der Versprechenskulisse, die sie selbst aufgebaut hat.
Aber reden will darüber niemand. So entpuppen sich auch die linken und scheinbar progressiven Kräfte in der Politik. Sie sind nicht diejenigen, die Gerechtigkeit wollen, sondern die, die mit der Rede über Gerechtigkeit an den Fleischtöpfen bleiben, oder an sie kommen wollen.
Da darf niemanden wundern, dass viele einfache Bürgerinnen und Bürger enttäuscht wegsehen. Und anders wählen. Oder gar nicht. In England, Frankreich, Deutschland, Spanien. 
Und zum Brexit? Es ist entschieden. Ein ordentliches Scheidungsverfahren. Und dann wird man sehen, wie sich Kleinbritannien schlägt. So eindimensional, dass Brexit Absturz bedeutet, ist das nicht.
Eine Ausrede weniger, ich bin gespannt, ob UK jetzt Haltung zeigt. Und welche. 

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