Galoppierender Irrsinn. Heute, 23.10.2015. Nur zum Beispiel.

Alles an einem Tag. Gestern hat Wolfgang Niersbach den DFB-Deppen abgegeben. Nix gefragt. Nix gewusst. Aber gut mit Beckenbauer befreundet. Da ist zusammengewachsen, was zusammen gehört. Die hauen doch so viel Geld raus, berät da eigentlich niemand? Mein Tipp: Der wird das Bauernopfer. Die Anderen sind einfach bauernschlauer. 

Weiter: Der Klimaforscher Edenhofer hat einen klugen Beitrag geschrieben in der FAZ. Kyoto ist gescheitert, sein Vorschlag: Ein CO2-Preisziel festlegen. Wird ganz sicher klappen :-;. Es verhandeln dieselben Menschen, die dasselbe Ziel haben: Die Klimaziele anerkennen (ausser die Amerikaner), aber immer argumentieren, dass die anderen mehr tun müssen. Dann muss man selber auch nix tun. 

Sprachlos macht mich dann die EZB. Sie senkt die Zinsen weiter, Negativzinsen gibt es ja jetzt schon, jetzt soll also noch mehr Geld rausgehauen werden. Es geht einfach darum, dass der Karren weiter läuft. Nach uns die Sintflut. Und, um Last von der EZB zu nehmen: Die macht das ja nur, weil die Politik paralysiert ist. Fachleute reden vom Klumpenrisiko, das so entsteht. 

So. Und dann war ich heute noch bei einer Böllstiftungstagung mit Unternehmensgrün. Progressive Unternehmensstrategien, der Einführungsvortrag von Christian Felber zum Thema „Ethische Marktwirtschaft“ hat mich wirklich sprachlos gemacht. Was für aufgeblasene, selbstreferentielle Worthülsenakrobaten. Wie ignorant gegenüber der Tatsache, dass politische Entscheidungen, auch wenn sie basisdemokratisch sind, eben von geringem Sachverstand sind (weil halt viele mitreden). Und der gute Vorsatz, sich an Verfassungszielen auszurichten (Papiergläubigkeit) und Gemeinwohlorientierung zum Ziel zu machen, kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass politische und ausgehandelte Zielkonzepte halt eben den Nachteil haben, dass sie nur indirekt wirken. Und wir beobachten heute schon, dass die politische Verhandlung von abstrakt sinnvollen Zielen zu einer Klassenherrschaft der Sinninterpreten führt und nicht zu direkten, klugen, zukunftsorientierten (und mutigen) Entscheidungen. 

Warum spricht eigentlich niemand über die Grenzen von Demokratie? Alle möchten, dass es ihnen wohlgeht. Heute. Zukunft ist da sekundär, draußen, das spüren wir jetzt beim Flüchtlingsthema, auch. Schuklappendenken ist der Normalfall von Demokratie. Also wenige Richtungsentscheidungen, ja, aber nicht noch mehr politisches Gerede ohne klare Alternativen. 

Zu guter Letzt: Die SPD will jetzt eine Doppelspitze, freiwillig. Bei den Grünen kotzen sie ab über immer mehr Abstimmungsbedarf. Je mehr Abstimmung, desto mehr Risikominimierung Also Risiko für die eigene Karriere. Man kann nichts mehr falsch machen, außer man ist profiliert, wagt manchmal klare Ansagen. Die straft die Partei ab. Cem Özdemir, der schon biographisch einen erheblichen Realitätsvorschuss mitbringt, kann ein Lied davon singen. 

Hat jetzt noch jemand Fragen zur Sinnhafigkeit des öffentlichen und politischen Bereichs? Und: Es war nur ein Tag! Am Montag geht’s weiter!

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