The world, we live in. And the world, we seem to live in

In welcher Welt leben wir eigentlich?

Spätestens seit dem Einwandern des Nahen Ostens nach Deutschland ahnt ganz Deutschland, dass nichts mehr ist, wie es war. 

Das Ferne wird nah. Weltinnenpolitik, einer der neuen Weltbeschreibungsbegriffe Ulrich Becks wird notwendig. 

Aber sie existiert noch nicht.

Nicht nur das Private ist politisch, das Technische ist es auch.

Klar ist, dass ohne Handy, Facebook und Internet das informierte Strömen flüchtender Menschen nach Europa nicht möglich wäre.

Völkerwanderung. Mutiger Begriff von Frau Merkel. Und doch ist es richtig. Es ist nicht nur die Zahl derer, die kommen. 

Es ist das ungeregelte, das es zur Herausforderung macht. 

Diese Woche, eine Woche der Talkshows. 

Angela Merkel bei Anne Will. Einerseits beeindruckend, dass die mächtigste Frau der Welt sich ins deutsche Fernsehen setzt und nichts anders macht, als ganz unspektakulär zu sagen, dass sie noch nicht weiß, wie man das Ganze lösen kann. Und dann aufzählt, an welchen Baustellen (Ursachen bekämpfen, deswegen Putin und Erdogan), Auffangzentren, Europäische Quoten, Lockerung deutscher Bestimmungen, Bereitstellung von Geldern für Kommunen und Länder, sie tätig ist, niemanden verprellt, diesen Dampfplauderer Seehofer nicht, den niemand zwingt, mal zu sagen, wie er seine vollmundigen Sprüche wahr werden lassen will, vielleicht schießen an der Grenze? Also, sie macht keine Zusagen, verdeutlicht aber dem aufmerksamen Zuschauer, dass sie tatsächlich alle Ebenen im Blick hat. Und es einfach keinen Plan gibt. Wie weit sie denkt, sieht man im übrigen auch an dem Umgang mit der Türkei. Jedes Beitrittsland ist ein sicheres Land, einerseits, aber das hieße nicht, dass alle individuellen Asylgründe wegfallen würden (die Berücksichtigung der Kurden und der Grünen-Stimmen im Bundesrat). Wirklich sehr aufgeräumt, ganz nüchtern kalkulierend. 

Dagegen ganz anders diese Maischbergersendung. Buschkowski, der offensichtliche neue Held, der Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, eine Bürgerinitiativenfrau aus Weinheim, die sich über die Massierung der Flüchtinge in einem Stadtteil mokiert, Renate Künast und die Polizistin, die sich über den mangelnden Respekt gegenüber der Polizei in einem offenen Brief beschwert hat. Es war eine völlig absurde Diskussion, weil es eben keine war. Niemand ist der Komplexität der Situation nur annähernd gerecht geworden. Jeder hat das, was er schon immer gesagt hat, gesagt und bei allen Statements hatte man den Eindruck: Zu kurz gesprungen. Weder das ein oder das andere ist richtig. Oder das eine und das andere ist richtig. Aber niemand hat sich hingestellt und gesagt, ja, schwierige Situation, aber tatsächlich alternativlos, müssen wir halt irgendwie hinkriegen, weil die Welt kleiner geworden ist, weil wir unsere eigenen Werte und Menschenrechte respektieren und weil wir verstehen, dass Menschen vor dem IS und dem ganzen Wahnsinn flüchten, wenn sie ansatzweise ein modernes, aufgeklärtes Menschenbild haben. 

Diese Talkshow hat so müde gemacht, weil sie sich immer noch in den alten Kulissen bewegt hat. Es war wie abgefilmte Statements nebeneinander, Talkshows sollen angeblich davon leben, dass die Teilnehmer unterschiedlicher Meinung sind, aber wenn man als ZUschauer das Gefühl nicht los wird, alles schon irgendwie gesagt, aber niemand zeichnet ein Bild, das einen zufriedenstellt (und das dann die Kanzlerin in ihrer bestellten TalkSHOW macht), fragt man sich schon, ob nicht ein wenig mehr Mut der Moderatorin, die Dinge zusammen zu bauen, sinnvoll wäre.

Was wir derzeit erleben, ist das Ende unseres harmonischen Weltbildes, in dem immer alles aufgeht. Und falls es mal nicht aufgeht, macht man ein Gesetz, gibt Geld, dann wird das schon wieder. Glaubt man. 

Was wir derzeit erleben, ist der Umstieg vom Kunstmodus, der Simulation der heilen Welt des Westens (der im Moment ja nur in Deutschland noch eine heile Welt ist) in den Real-World-Modus, in dem die Konflikte der Welt direkt bei uns aufschlagen. 

Das war in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger, in den meisten jedenfalls, nicht vorgesehen. Eine vorab bekannte Lösung gibt es nicht, also müssen wir uns mit einer weltoffenen Haltung begnügen und darauf achten, auf allen Baustellen, lokal, national, europäisch, global, gleichzeitig aktiv zu sein und abzuschätzen, was wie und wann wirkt. 

Besser geht es nicht. Und nur wenn die politische Elite dieses Landes ihren Talkshowmodus (Finger zeigen auf andere, „Ich hab die Lösung) verlässt und gemeinsam zeigt, dass sie den Ernst der Lage erkannt hat und gemeinsam anpackt, die Herausforderungen ernst nimmt, die Sorgen der Menschen auch, dann wird sich aus der Mitte der Gesellschaft heraus diese „Wir schaffen das“-Haltung etablieren. Und nicht dieses, wirklich nichts nutzende „O Gott, o Gott, das müssen wir noch bedenken und das und das hat Frau Merkel nicht richtig gemacht und das hätte ich so gemacht. Usw.

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