Am Beispiel Mindestlohn. Wenn Ideologie die Wirklichkeit bezwingt

In der FAZ vom 21.9.2015 schreibt Heike Göbel zum Thema Mindestlohn: 

"Die Befürworter des Mindestlohns gelten als sozial, sie haben die öffentliche Meinung auf ihrer Seite.Leider tun sich Ökonomen schwer, schädliche Folgen eines (überhöhten) Mindestlohnsnachzuweisen."

Wenn man beschreiben will, was eine gelungene Gesellschaft ausmacht (obwohl man sich bewußt ist, dass alles auch immer Fiktion ist), würde ich das so tun: Eine Gesellschaft ist immer dann erfolgreich, wenn sie in ihrer diskursiven Mitte, sprich dem, was sich über Leadmedien repräsentiert fühlt, einen hohen Grundkonsens hat, auf dem aufbauend die Kontroversen über Alternativen geführt werden. 

Der Gundkonsens solllte sein, dass Menschen von ihrem Einkommen, leben können. Der Mensch ist das Maß aller Dinge, deswegen sind die Grundbedürfnisse des Menschen, Einkommen für eine menschenwürdige Existenz, eine der Leitplanken. Wenn sich eine ökomisch versierte Autorin wie Frau Göbel dann zu so einem Satz hinreisen lässt, zeigt das, dass sich die Ideologie in ihrem Kopf so breit gemacht hat, dass sie, was notwendig ist, nicht ein Instrument zur Vereifachung der Wirklichkeit ist. Sondern dass das Instrument so mächtig geworden ist, dass sie nur noch erkennen will, was sie mithilfe des Instrumentes erwarten möchte. Dass nämlich gnadenlose Marktwirtschaft das Beste ist. 

So simpel ist Wirklichkeit nicht, Frau Göbel. Und, falls sie humanistisch gebildet sind: Die platon’schen Höhlengleichnisse sollte man so abwandeln, dass, auch wenn wir in den Schattenbildern Elemente von Wirklichkeit erkennen können, diese Elemente manchmal, z.B., wenn ein Windstoß in die  Höhle fährt, zu Verzerrungen neigen.