Der Merkel Wunderland: Elektromobilität

Bald ist wieder Elektromobilitätsgipfel. Angela Merkel wird unter den Größen der Automobilwirtschaft baden. Es ist Elektromobilitätsgipfel. Großer Almauftrieb ohne intellektuelles Futterangebot. Und ohne Ergebnisse. Wir bilanzieren: Eine Million Elektroautos will Merkel bis 2020 auf Deutschlands Strassen schicken, heute, zur Halbzeit, sind 127000 Elektroautos unterwegs. 

Und nun, Frau Merkel?

Wie würde nun wer mit der Frage umgehen: 

Der gesunde Menschenverstand sagt, das hat ja Gründe: Vielleicht liegen die in den Produkten. Wir Berliner haben die Möglichkeit, schon mal elektromobil zu fahren. Carsharing, mittels der Citroens. Ich mache das, fährt sich gut, wenn man nicht so weit fahren muss. Und wenn man sich vorab davon überzeugt hat, dass das Ding geladen ist. Die 130 km, die man auf dem Papier fahren kann, schnurren schon im Sommer schnell auf 80 km zusammen. Im Winter bleiben oft nur 30 km übrig. Und dann muss das Ding wieder 2 oder 3 Stunden ans Netz, bis man weiter fahren kann. 

Wie blöd ist das denn. 

Elektromobilität soll jetzt über Flotten geregelt werden. Das sind die großen Dummen, die sich nicht wehren können. Mitgefangen, mitgehangen. Sonder-AFA heißt das Zauberwort, 200 Mio. Euro, damit die großen Automobilkonzerne ihre nicht brauchbaren Versuchgsmodelle loskriegen. Blödsinn. 

Notwendig wären: Eine Stromtanke-Infrastruktur, einheitliche Zapfsäulen und Betanksysteme. Aber da klemmt es, weil halt niemand so richtig daran glaubt. Das Produkt muss stimmen. Und Hybride, eigentlich die Lösung der Stunde, kommen in Deutschland nicht an. 

Die Elektromobilitätsnummer ist der Rettungsanker der deutschen Autowirtschaft

Tatsächlich geht es im Hintergrund gar nicht um Elektromobilität an sich. Sondern darum, dass sich die deutschen Dickschiffkonzerne mittels der Stromnummer freikaufen können. Die Elektroautos werden nämlich CO2-mindernd anerkannt. 
 
Wer das weiß, dem erklärt sich auch manches. Hybride, eigentlich das Gebot der Stunde für diejenigen, die ein Auto brauchen, das fährt, die aber auch viel in der Stadt unterwegs sind, kommen vorrangig von Toyota. Deswegen interessiert das in Deutschland auch niemanden. 
 
Blicken wir nach Norwegen, sehen wir, wie man es anders machen kann. Im kalten Norwegen !!!! ist jedes fünfte Auto ein Elektroauto. Der Preis: eine 25%ige Mehrwertseuer entfällt, die Kraftfahrzeugsteuer auch, die Teslas erhalten 50% Rabatt auf die Gewichtssteuer, die in Norwegen anfällt. Elektroautos dürfen umsonst tanken und auch die Busspuren in den Städten verwenden. 
 
Unter dem Strich ist damit der Elektrogolf billiger als der normale. Tesla führt immer wieder die Zulassungsstatistiken an. Die Hälfte der Elektromobile ist übrigens auch in Oslo zugelassen.
In Norwegen ist ein Elektrogolf billiger als ein normaler
Norwegen ist aufgrund seiner Erdölvorkommen ein reiches Land. Und wenn in Oslo lauter Teslas fahren, dann deswegen, weil sie die Busspur verwenden dürfen und deswegen dem Stau zu entkommen schienen. Aber trau der Politik nicht. Jetzt darf das jede Kommune bald selber entscheiden. Und Norwegens Elektronummer, die ein Loch von 350.000 – 450.000 € in den Haushalt gerissen hat, soll wieder gestopft werden. Die Steuern sollen also künftig wieder gezahlt werden. Nachhaltigkeit sieht anders aus. 
 
Jetzt wollen die eilfertigen Abgeordneten von CDU und SPD Subventionen beschließen. Ich sage, die Elektromobilität, so wie sie ist, ist Mist! Es braucht eine Infrastruktur, bessere Batterien, eine einheitliche Elektrotankelandschaft und ernsthafte Bemühungen statt großer Gipfel. 
Es braucht Infrastruktur und bessere Batterien, kein Altelektroautoabsatzprogramm!
Für mich wieder mal ein Beispiel politischen Rückratlosigkeit. Anstatt offen zu sagen, dass die deutschen Autokonzerne, die nun mal das obere Segement bedienen, mehr CO2 ausstoßen als die kleinen Renaults und das, auch wenn man den Mund umweltpolitisch nicht mehr so voll nehmen kann, auch durchzusetzen, wird politischer Etikettenschwindel betrieben. 
 
Am Ende kennt sich keiner mehr aus, warum das Ganze, die Politik fordert mehr Förderung (weil sie hinter den Kulissen schon wissen warum), das Publikum wundert sich, warum man Produkte ohne Leistung kaufen soll. 
 
Das ist Politik at its best!
 
Aus dem Handelsblatt: 

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