Energiewende 4.0

Chatham House Rules gelten ja nicht, wenn einem nach einer Veranstaltung neue Ideen kommen. So wie mir nach dem Energie- und Wirtschaftspolitischen Club der EnBW, der diesmal zum Thema Innovation bei Startupbootcamp in der Berliner Charlottenstrasse 2 stattfand.

Zum Einen: Respekt! Die EnBW hat eine Innovationsstrategie. Und der Chefinnovator, Ulli Huener, traut sich aus aussprechen, was alle denken, die denken, obwohl sie Geld verdienen müssen: Nichts wird morgen mehr sein, wie es gestern war.

Worum ging es?
Es ging um Impulse von Startup-Unternehmen für bestehende Industrien.
Es ging um das künftige Geschäftsmodell der EnBW.
Es ging um einen neuen Rahmen für die -das jetzt eine Erfindung von mir- die informationstechnologische Energiewende. Wir nennen es Energiewende 4.0. Weil es um das „Internet der Dinge“, also eine informationstechnologisch aufgestellte Energieinfrastruktur geht.

Um die herzustellen, und niemand, der sich mit dieser Frage beschäftigt hat, wird das bezweifeln, bedarf es der Definition eines klaren Rahmens, der Reduktion der Regulierung und Genehmigungen, weil Informationstechnologie noch immer und auch weiterhin fortgesetzt in einem technologischen Umbruchprozess steckt. Next Generation is a better Generation. Haste mal nen Bug, machste mal ein Update. So ist das in der schönen neuen Welt.

Nun kann zwar mal ein Computer abnippeln, bei der Energiewirtschaft darf das nicht passieren, aber trotzdem: Haben Sie schon mal davon gehört, dass Energiewirtschaftler oder Energiepolitiker so in dynamischen Strukturen und Prozessen denken?

Die Diskussionsbreite der Energiepolitiker in unseren Lande ist zwischen Gestern und Vorgestern.

Die einen laufen noch immer mit der Idee rum, dass wir ganz viel Kohle brauchen.

Die anderen setzen auf regenerative Energien, was gut ist, aber weil sie sich mit dem Lobbydruck der Großen auseinandersetzen müssen, verteidigen sie tapfer ein statisches Einspeisemodell, etablieren jetzt einen Kapazitätsmarkt (oder lassen die Restmengen durch Auktionen zukaufen) und lassen die Herde einfach weiter laufen. Das Energiesystem wird bewirtschaftet. Das erinnert verdammt an ein untergegangenes System.

Rainer Baake ist sicher von allen derjenige, der die alte und die neue alte Energiewendewelt am besten kennt. Er hat nie etwas anderes gemacht, er hat sich intensiv damit beschäftigt, er hat die Widerstände und Lobbyinteressen aller Gruppen vorab in seiner Agora Energiewende besprochen, analysiert, hat mit ihnen diskutiert, sie mitgenommen, das beste draus gemacht.

Aber im Ernst: Es wird zwar immer wieder über Smart Metering und alles mögliche geredet, aber über das Potential einer interaktiven, selbsttätige, sich selbst optimierenden Energiesystemstruktur als Basis hat niemand nachgedacht.

Welche Organisationsstrukturen stören da besonders?
Wo drückt der Regulierungsrahmen besonders?
Welche Abgrenzungen stören besonders?
Welche Rechtsvorschriften stören besonders?

Welche Netze werden da benötigt?
Welche Organisationsstrukturen?
Welche Durchlässigkeit?
Welchen Regulierungsrahmen?
Welchen Deregulierungsrahmen?

So wie es im Moment aussieht, hat die hochleistungsfähige deutsche Automobilwirtschaft das Wettrennen um das innovativste Auto verloren. Mit Tesla hat das ein Marktfremder auf die Beine gestellt. Es ist nicht nur ein Elektroauto, sondern eine fahrende rückmeldende Informationseinheit. Die kann auch fahren, die weiß, wo es lang geht. Und in Zukunft kann sie auch selber fahren.

Sie ahnen, in welche Richtung das führt? Sie ahnen, was da energiewirtschaftlich alles in Fluß kommen könnte?

Diese Logik, dass Prozesse softwaretechnisch erneuert und optimiert werden können, dass eine materielle Infrastruktur nur die materielle Grundlage für eine Infrastruktur sein könnte, die nicht nur „Schalter an“, „Schalter Aus“ bedeutet, sondern Aggregatzustände von überall nach überall übermitteln und somit benötigte Strommengen bei Bedarf dahin schleusen kann, wo sie benötigt wird, diese Logik finde ich nirgends in der politischen Diskussion angedacht.

Und das Schlimme: Außer dem Bundesverband Neue Energie habe ich noch niemanden solche Ideen referieren gehört.

Es sieht so aus, als würden wir heute die Energiewirtschaft von vorgestern mit einer Idee von Gestern ersetzen. Anstatt heute schon mit den Möglichkeiten von Morgen zu planen.

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