Inklusion. Wenn die Debatte die politische Kunstwelt verlässt.

Die Inklusionsdebatte ist eine schwierige. Ja, der Grundgedanke ist richtig, nicht alles, was normal ist, abzusondern. Im politischen Bereich wird die Debatte aber unter anderem Vorzeichen geführt. Zum einen wird dort immer noch darum gerungen, die Vorgaben bezüglich Krippenplätzen überhaupt zu erfüllen, zum anderen wird über die Inklusionsfrage natürlich auch die Ressourcenfrage verhandelt. Und da ist dann schönes Inklusionsgerede nur so viel wert, wie der zusätzliche Aufwand auch honoriert wird. Ein Drittes wird oft vergessen: Auf die Haltung kommt es an.

Statt Ob geht es ums Wie
Inklusion kann man nicht verordnen, man muss die Bereitschaft fördern, mit Behinderten umzugehen. Und damit sind wir bei der Frage, wie weit der Arm der Politik reicht. Wird das Thema Inklusion ideologisiert, kann man es knicken. Die öffentliche Debatte über das Ob überlagert die Frage der jeweiligen Einrichtung, Wie man es schaffen könnte. Da geht es um Respekt gegenüber der Lebenswirklichkeit von Eltern behinderter Kinder, um Zusammenhalt und um die Fähigkeit und die Bereitschaft, auftretende Herausforderungen auch tatsächlich zu regeln.

Wie erreicht man, dass Einrichtungen eine politische Frage zu ihrer professionellen -oder mitmenschlichen- machen?
Meines Erachtens gibt es keine klare Antwort, wie man Inklusion einführt. Man kann das nicht gegen den Willen derer, die in entsprechenden Einrichtungen arbeiten. Man muss Erfahrungen sammeln, wie es funktioniert, Vorbilder schaffen und Austausch und Verständigungsbereitschaft, das Problem zu lösen. Und man darf nicht in Exekutionsplänen denken, die aus der Legislaturperiodendenke der Politik entwächst.

Reflexive Politik, ein Schlagwort, das auf Füllung wartet
Meine Schlussfolgerung: Die Einrichtungen müssen die Freiheit, den Mut und die Bereitschaft haben, diese Fragen zu lösen. Dazu muss Politik einen Beitrag leisten. Und zur finanziellen Ausstattung, möglicherweise, dass man zusätzliche Kräfte als „lernende Unterstützung“ etabliert, in denen sich Einrichtungen Rat holen können, auch, wie sie mit Einwänden anderer Eltern umgehen.

Kann Politik die Umsetzungsebene einbeziehen? Und auf Polarisierung verzichten?
Was zeigt: Eine einfache und richtige Idee muss nicht immer einfach umzusetzen sein. Sie braucht Unterstützer auf allen Ebenen. Reflexive Politik , so möchte ich das nennen, zielt darauf ab, die Umsetzungsebene mit einzubeziehen. So bitter das ist: Als politisches Thema ist es damit erst mal weg. Gut gemeint, muss auch gut gemacht sein. Und dazu braucht man halt die Gesellschaft.

Der Beitrag, der das aus der Sicht betroffener Eltern schildert. Und auch, dass es manchmal wundersame Lösungen gibt. Weil es wunderbare Menschen gibt.

Link zum taz Artikel vom 3.9.2014, Seite 18: Man muss sie füttern? Kriegen wir hin! http://www.taz.de/pt/2014/09/03/a0115.nf/text

Und der sehr lesenswerte Blog der Eltern: http://kaiserinnenreich.de

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