Peter Hartz ist wieder da!

und ich bin hin und her gerissen. Nein, kein Spott wegen Sex and Drugs and Rock’n Roll. Sondern, weil der Großmeister des Neusprechs „Mini-Jobs“, Mini-Enterpreneure und viele andere griffige Formulierungen jetzt die Jugendarbeitslosigkeit in Europa lösen will. Kostet nur 215 Mrd. Kein Wunder, dass da die Südländer Feuer und Flamme sind. Wie er im heutigen Handelsblatt (19.6.2014) sagt.

Ich bin zwiegespalten. Einmal hat Peter Hartz was von ’nem Firmengründer, dem das Ganze über den Kopf wächst. Das gibt es ja bei Unternehmern immer wieder, dass sie ab einer gewissen Größenordnung den Überblick verlieren und das Ganze groteske Züge erhält.

Peter Hartz steht ja politisch für eine Hybris sozialdemokratischer Wirtschaftslenkung. Er benennt das Problem richtig, übersieht aber in der Umsetzung, dass dafür die Apparate von Arbeitsbehörden, die ja jetzt neudeutsch „Agenturen“ heißen, gar nicht geeignet sind.

Fordern und Fördern (oder umgekehrt) war ein richtiger Begriff. Die Botschaft an die Arbeitslosen war, du musst dich selber kümmern, alles richtig, wenn man den operativen Teil ansieht, muss man feststellen, Arbeitslosigkeit ist nicht kostengünstiger geworden, Beratung nicht besser, stattdessen hat sich der Bodensatz derer verfestigt, die nie in Arbeit waren. Ach ja, und die Anzahl der Klagen vor Gericht. So bitter ist die politische Wahrheit. Die allerdings wird auf eben dieser Bühne nicht besprochen.

Trotzdem könnte man das Buch, ich vermute, es gibt dann eines, ja lesen. Vielleicht stecken originelle Ansätze drin und man könnte sie weiter spinnen.

Im Handelsblatt lese ich, er schlägt vor, den Kapitalmarkt anzuzapfen. Das Kapital braucht Anlage, das ist schon richtig, aber der Logik folgend müsse man „Kapital für Arbeit“ gänzlich außerhalb der Arbeitsverwaltung und staatlicher Strukturen etablieren. Es dürfte nicht einheitlich organisiert sein, weil die Logik von Venture Capital ja ist, dass man seinen speziellen Fokus entwickelt, das Problem dreht, investiert und dann später die Rendite zieht. Würde bedeuten, dass künftige Ausgebildete und dann Arbeitsplatzinhaber einen Teil ihres Lohns abtreten müssten. Schneller Ausstieg ist dann nicht möglich, aber vielleicht ein langfristiges Renditemodell.

Klingt ein bißchen wie der Pakt mit dem Teufel, aber warum nicht.

Wenn man das Interview aber liest gewinnt man schon den Eindruck, so ganz hat er das mit dem Kapitalmarkt nicht verstanden. Wie immer, will er das Geld vom Staat, in diesem Fall von der europäischen Gemeinschaft akquirieren.

Auf dieser Ebene macht es dann wieder keinen Sinn, weil bekanntlich fehlt ja die Nachfrage. Die südlichen Länder haben kein wirkliches Geschäftsmodell. Das kann ach Herr Hartz mit seinen 215 Dienstleistungsvorschlägen nicht lösen. Grüner Tisch bleibt grüner Tisch, auch wenn daran Peter Hartz sitzt.

Das Problem bei all dem politischen Gerede über Abschaffung der Arbeitslosigkeit ist, dass man einfach die Wirtschaft in Schwung kriegen muss, dann legt sich das mit der Arbeitlosigkeit schnell wieder. So war das auch in Deutschland. Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse (auch, wenn das die Areitnehmer nicht freuen kann), Rahmenbedingungen verbessern, damit junge Menschen, arbeitslose Menschen, die ja oftmals gut ausgebildet sind, was probieren können. Alles andere muss man abwarten.

Ordnungspolitische Rahmenbedingungen verändern, ja, aber eine Hartz’sche Blaupause für die Politik, nein, in Gänze glaube ich da nicht dran.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.