Die Risikogesellschaft, das Update-Zeitalter und das Problem mit der Strategie

Wir, die im Zeitalter der Risikogesellschaft gereiften, leiden unter einer Wahrnehmungsblockade. Wir denken in Irreversibilitäten. Die Zeitbombe der Atomtechnologie hat sich über alle weiteren Wahrnehmungen gelegt.

Die nachfolgende Generation, mit dem Computer aufgewachsen, sieht das diametral anders. Sie ist es gewohnt, Fehlerhaftigkeiten zu erdulden und auf ein weniger fehlerhaftes Update zu warten.

Eine fundamental andere Wahrnehmung der Wirklichkeit. Hier die Bedrohung, dort die Vorläufigkeit und Korrigierbarkeit. Hier die Grünen, dort: Nichts! Die Piraten haben das vergeigt, weil sie sich geweigert haben, Führung und Verständigung zu organisieren, die FDP hat es vergeigt, weil sie vor lauter Karrieremachen nicht wirklich nachgedacht hat, was ihr Wirtschaftsliberalismus bedeutet und dass sie einige der größten Liberalisierungsgegner, Ärzte, Apotheker, Steuerberater, organisiert.

Der Witz: Im Grunde sind Grüne deshalb noch immer die Partei mit dem Potential, diese beiden Pole , an denen sich die Wahrnehmung von Veränderungen spalten, in sich zu vereinen; – und damit das Potential der besten, weil nach vorne blickenden Menschen zu vereinen. Wenn sie verstehen, dass sie das nicht entscheiden müssen, ob Risikogesellschaft oder Updategesellschaft die richtige Option sind, sondern begreifen, dass beides Aspekte einer sich verändernden Welt sind. Dann können sie ihre Stellung als Vordenker, Gamechanger, Change Agent wieder zurückerobern.

Konsequenz wäre aber, dass sie die bisherige Programmatik zur Debatte stellen. Oder einfach links, rechts oder hinten liegen lassen. Zu überlagern mit der Frage, was sich derzeit tut.

Oberste Leitfrage für künftige Politik: Was verändert sich. Und wofür lässt sich der stattfindende Veränderungsprozess aufgreifen, um ihn im eigenen Sinne zu gestalten.

Die Folge wäre, ein Grundraster von Ökologischen Herausfoderungen, ökonomischem Wohlergehen, sozialer Zusammenhalt als Messlatte im Bewußtsein zu halten, dieses aber taktisch auf das Thema anzuwenden, das gerade auf die Tagesordnung schwappt.

Das ist möglicherweise gar nicht die schlechteste Option, um politische Prozesse zu verstehen. Politik leidet derzeit darunter, dass, unter dem Diktum scheinbar großer Strategien, große und alternativ diskutierte Szenarien entwickelt werden, deren Bestand nicht von Dauer ist.

P.S. Ich höre gerade die Clark’schen Schlafwandler. Spannend wie ein Krimi, gut zu hören, gut geschrieben und gelesen. Und sie zeigen, dass erfolgreiche Politik im Ausbalancieren von Interessen besteht. Und ein Krieg dann begonnen hat, als dieses Ausbalancieren mal gerade, an einem Thema, das niemand vorher auf dem Schirm hatte, auf einmal geschwächelt hat. Es ist die politische Anwendung der Chaostheorie, nachdem der Schmetterling…….

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