Grün vorne? Oder im Abseits. Und was Nils Minkmar, Stephan Grünewald, Ralph Fücks und Harald Welzer damit zu tun haben.

Vergangene Woche erhielt ich eine SMS eines grünen Abgeordneten. Was ist eigentlich mit Grün los. Gute Frage, die mich lange nicht mehr interessiert hat. Die Bundesregierung war spannender, wie stellt sie sich auf, gehen die genialen Schachzüge von Gabriel (das quasigrüne Stammpersonal mit, zumindest im Energiefragen Agendasettingkompetenz) auf oder verheddert sich die neue Bundesregierung in einem Kampf gegen sich selbst, wozu die Fragen Vorratsspeicherung, Bulgareneinwanderung und Maut sich besonders eignen.
Also zurück zu den GRÜNEN. Ich denke nicht, dass es ein Problem ist, wenn sie mal ausnahmsweise, sagen wir für drei Monate, die Klappe halten und in sich gehen.

Die Rhetorik der neuen Parteichefin Peters erinnert einen daran, dass man die Position des politischen Geschäftsführers einsparen könnte. Berechenbarkeit ist in diesem Falle kein Gewinn.

Und im Übrigen täten die Grünen gut daran, mal ein bißchen weiter zu denken, nämlich, wo fehlt es dieser Gesellschaft künftig an Führung (Also, was ist der Impuls, den die GRÜNEN für das Ganze geben könnten) und wie nimmt die Bevölkerung, also die Wählerin und der Wähler, auch das eigene Klientel denn die politische Bühne wahr.

Für letzteres seien zwei Bücher zur Lektüre empfohlen, Nils Minkmars, Im Zirkus, weil er über seine Steinbrück Beobachtungen schlaue Beobachtungen zur politischen Bühne macht. Und dann auch den von ihm mit einführten Stephan Grünewald, der mit seinen Untersuchungen, zuletzt als Buch erschienen „Die erschöpfte Gesellschaft“ auf eine ganz andere Befindlichkeit der Deutschen verweist, als die von GRÜN vermutete.

Dort hält man nämlich immer noch mehr Partizipation und mehr Mitreden für das Patentrezept für alles. Aber ehrlich: Das funktioniert zwar als rhetorische Figur, solange man nicht mitreden muss. Aber wenn dann tatsächlich „mitmachen“ angesagt ist, machen auch grüne Wutbürger die Erfahrung, dass Abwägungsprozesse ja ganz und gar nicht sexy sind.

Partizipation, das zeigt schon das Beispiel Schweiz, ist ein Mittel gegen politischen Größenwahn. Es verhindert aber auch die Entwicklung durchgängiger Leitideen, also von politischer Führung im weitesten Sinne.

Womit können GRÜNE also eine politische Führungsidee entwickeln? Raschke, so wie er in den Medien zitiert wird, hat den Schlüssel beschreiben, den die Grünen nutzen sollten (die Ökologie) und doch ist es mit dem Schlüssel alleine nicht getan. Die Frage ist, wozu man ihn nutzen sollte.

Die Ökologie, das ist das sekuläre Heilsversprechen der Grünen. Aus ihr heraus sollten Grüne Antworten auf die Frage entwickeln, wie Bürgerinnen und Bürger UND die Gesellschaft, also Zivilgesellschaft, Wirtschaft und die Politik (letztere aber ohne den hier oftmals beschriebenen symbolisch überaufgeladenen Größenwahn) in quasi Merkelscher Unaufgeregtheit Zukunft anpacken. Jeder an seiner Statt. Es geht nicht um neue, große Entwürfe, es geht um kluge Kommentare, wache Beobachtungen, eine neugierige, wache Stimmung, Wertschätzung auch dessen, was die Regierung macht, was sich in der Wirtechaft und dem Alltag der Menschen tut und ein „weiter denken“. Über den Tag hinaus, mit einer Haltung, die die Menschen anspricht, sie zum Hingucken und zum Austausch einlädt und nicht in erster Linie auf die Konkurrenz auf der Regierungs- und Oppositionsbank fixiert ist.

Es geht darum, Politik, engagierte Politik wieder aus der Gesellschaft heraus zu denken, aus der politischen Routine auszubrechen.

Es geht auch um die Versöhnung der Gedanken von Ralph Fücks und Harald Welzer, also um tragfähige Ideen für Innovation und neues Wachstum und darum, dass jeder von uns „Sein Ding“ macht, abseits der Politik, weil es ihm wichtig ist (und, nebenbei bemerkt, da sind mehr Menschen, die sich nicht um Politik kümmern, sondern mit wachem Geist was anderes machen, wichtiger als noch mehr Teilnehmer am politischen Zirkus).

Das grüne Lager als der Anlaufpunkt für alle, die Zukunft wagen wollen und bei der Suche auf den Austausch von Ideen setzen anstatt die Behauptung, es besser zu wissen als die anderen.

Das wäre was. Es wäre die Idee der Wiederverankerung der Politik in der Gesellschaft. Ein urgrünes Anliegen, neu interpretiert.

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