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Paul Watzlawick meinte, man können nicht nicht kommunzieren. Denn auch wenn wir nicht reden, bilden sich Bilder von der Welt. Auch ohne unser Zutun.

Das ist wahr. Aber nicht die ganze Wahrheit. Es gilt nämlich auch das Gegenteil. Auch wenn wir reden und so das Bild von uns und unserer Welt mitgestalten, muss es noch lange nicht das Richtige sein.

Denn erst ändert sich die Welt. Also die Wirklichkeit. Und erst Schritt für Schritt zieht die Wahrnehmung von der Welt nach. Wahrnehmung und Wirklichkeit fallen immer weiter auseinander.

Nie war diese Erkenntnis so wertvoll wie heute. Denn niemals hat sich die Welt so schnell geändert wie heute.

Die Welt hat sich entgrenzt. Einer der wenigen, die dies frühzeitig erkannt und mit dieser Beobachtung gespielt hat, ist Ulrich Beck. Begriffe wie Risikogesellschaft, Weltinnenpolitik und Patchworkfamilie (eine Begrifflichkeit in Zusammenarbeit mit Elisabeth Beck-Gersheim) haben deshalb mehr Impact für die Wahrnehmung der Welt als ganze Theorien, die sich mühsam daran machen, die alten Fassaden zu restaurieren .

Es gibt kein Begreifen der Welt außer über Vorstellungen, die wir uns von ihr gemacht haben.

Und deshalb scheint mir nichts dringlicher als die Zerlegung unserer Vorstellung von Wirklichkeit.

Weil Globalisierung, Internet, und TV mit weltweiter Reichweite längst das Außen und Innnen verändert hat. Das Schicksal der Schwarzen in Südafrika ist deshalb vielen gefühlt näher als der Absturz der Menschen gleich ums Eck.

Was weit weg ist, muss also längst nicht mehr draußen sein. Aber im Umkehrschluss gilt auch: Was nah ist, muss längst nicht mehr drinnen sein.

Die Frage, wen ein Gemeinwesen einbezieht und ausgrenzt, ist längst nicht mehr einfach zu beantworten. Weil Nähe nicht in Kilometern, sondern lediglich in gefühlter Nähe zu messen ist. Und gefühlte Nähe ist sprunghaft und nicht intersubjektiv wahrnehmbar. Eine Dekonstruktion der Wirklichkeit ist also in erster Linie die Erkenntnis, dass Zusammengehörigkeit für jeden und jede etwas anderes sein kann.

Dass also der Nationalstaat als Institution zwar nicht aufhört zu existieren. Dass er aber längst in seiner Bedeutung verloren hat.

Und das hat erhebliche Konsequenzen auf politisches Handeln. Weil sich gerade die Deutsche Politik massiv gegen die Vorstellung stemmt, einen Bedeutungsverlust zu erleiden. Vor diesem Hintergrund hat sich die Deutsche Politik ihre Lebenslüge erkauft, wir wären ein Einwanderungsland. Tatsächlich ist Deutschland längst kein Einwanderungsland mehr, obwohl es perspektivisch eines sein müsste. Sondern ein Land, das sich immer noch damit beschäftigt, wie es die Menschen, die vor dreißig, vierzig Jahren eingewandert sind, in ihrer Wahrnehmung integriert. Denn integriert, wie die Deutsche Gesellschaft das versteht, ist einer oder eine nur, wenn sie sich assimiliert, deutsch wird, was schon aus optischen Gründen nicht klappt. Denn wenn einer schwarz ist, schwarzhaarig, mit dunklem Teint und/oder braunen Augen, eine türkische Nase hat, wird ihm das Deutschsein, wie es die Deutschen wünschen, nicht möglich sein.

Die Dekonstruktion der Wirklichkeit. Ulrich Beck hat sich auf den Weg begeben, sich die Dinge näher anzuschauen und zu beschreiben. Für den Bereich der Politik hat Richard Münch einige in ihrer Tragweite noch nicht erkannte Erkenntnisse vorgetragen.

Wohin uns das Ganze führt, werden wir erst im Laufe des Nachdenkens erkennen.

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