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Ich bin in einer Blase aufgewachsen. Die lässt sich wie folgt beschreiben: Politik kann die Welt verändern. Und lange erschien es mir auch selbst so. Die grüne Blase, die, in der ich groß geworden bin, ist und war eine Erfolgsgeschichte. Von Newton stammt der Satz, wir, unsere Erkenntisfähigkeit, seien „Zwerge auf dem Rücken von Riesen.“ Ich stelle fest, nicht nur auf dem Rücken von Riesen wird man groß, wie Newton glaubte, auch auf dem Rücken großer Irrtümer, wie ich inzwischen meine. Wichtig ist nur, dass man die wichtigsten frühzeitig ersetzt.

Wobei wir bei Martin Schulz wären. 

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Lieber Robert, 

mit Interesse habe ich Dein Interview gelesen. 

Es ist ja weidlich bekannt, dass ich fur die Wahl von Cem als Spitzenkandidat plädiert habe. Trotz Deiner in der Intonierung und inhaltlich überzeugenden Interviews, trotz Deiner Frische, die ich hier in Berlin so vermisse. 

Ich will das noch einmal begründen, auch wenn ich Dir zustimme, dass die Grünen derzeit völlig aus der Spur sind.

Ich fang mal mit dem Schulz Hype an. Ja, die Sozialdemokraten haben mit Martin Schulz jetzt irgendwie den Turbo eingeschalten. Wobei ich, nebenher bemerkt, weder der Person Schulz noch der von ihm eingeschlagenen Richtung eines schlichten Linkspopulismus etwas abgewinnen kann. 
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Globale Ungleichzeitigkeiten

Man muss nur diese Spiegelgeschichte lesen: Ein Zwölfjähriger, vom IS mit seinen Geschwistern entführt, die Eltern erschossen, die Kinder systematisch zu Todesmaschinen trainiert: http://l.spiegel.de/hKaMxQfG. Und wir hier in Deutschland, um Konfliktvermeidung und sprachliche Konfliktregelung bemüht. 

Was für ein GAP. Natürlich sind Ängste berechtigt, wie es ist, wenn Menschen mit so (unmenschlich?-) anderen Erfahrungen hierhin flüchten. Richtig ist nur, dass wir keine Mauer um Europa bauen können. Was nicht heißt, dass wir die Zuwanderung, die Flucht gar nicht steuern können. 

Wenn man das Handlungsfeld so einschränkt, werden plötzlich alle notwendigen und möglichen Maßnahmen ganz klein. 

Man könnte auch sagen: Muddling trough. Es gibt eine problemlose Lösung. 

Die aufgeklärten Menschen haben das verstanden. Warum aber Politiker so tun, als ob es nur die Lösung gibt, die sie vorschlagen, als ob wir hier darum streiten, ob wir das Recht auf Asyl einschränken oder nicht, verstehe ich nicht. 

Ja, wir schränken es ein. Zu klären bleibt nur, wie, welche Folgen, erwünschte und unerwünschte, das hat. 

Mehr nicht. 

Wenn sich politische Debatten endlich mal in diese Niederungen begeben würden, wäre die Fallhöhe nicht so groß. Aber der Zusammenhalt größer. 

„To figure out the way through“, es geht darum, einen Weg zu finden. 

Kapitulation gilt nicht. 

Aus für die Grünen

Das Fragezeichen fehlt. Wenn wir dem aktuellen Spiegel, die FAZ, Leuthäuser vom 17.2. oder Miriam Lau, die schon seit längerem in der Zeit an den Grünen verzweifelt, Glauben schenken, braucht man kein Fragezeichen. 

Ich meine, „Last Call für die Grünen“. Ich will das ein wenig begründen. Im Blick zurück.

Was wir waren, was wir sind. 

Zu Anfang waren die Grünen eine radikale Partei. Immer auf der richtigen Seite, “für die Zukunft unserer Kinder”, immer auf der Seite der Schwachen.

Dieser radikalen Inszenierung kommen Grüne weiterhin in rituellen Demo-Unterstützungen und radikalen, aber weitgehend folgenlosen Reden nach. 

Am Ergebnis, Stand heute, gemessen sind die Grünen die erfolgreichste Partei der Nachkriegsgeschichte. Von Null auf 30 Prozent in dreißig Jahren (wenn man Baden-Württemberg als Maßstab nimmt). 

Sie sind auch deswegen die erfolgreichste Partei, weil sie dreißig Jahre lang Agendasetter waren. Geschlechtergerechtigkeit, Minderheitenrechte, streitbare Demokratie, Politik aus der Perspektive des Planeten, der Perspektive von Morgen, Energiewende, Haushalten mit den Ressourcen. 

Keine Partei hat mehr neue Ansätze in der Politik formuliert als die Grünen. 

Und jetzt: Grün zerstritten, saftlos, kraftlos, auf seltsame Weise wirklichhkeitsfremd. 

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Die renommierte Werbeagentur Jung von Matt macht Merkel-Wahlkampf. Die Agentur, die niemals Politik machen wolle, macht Werbung für DIE Antipolitikerin.

Ich finde, das passt. Und zwar im positiven Sinne. Merkel hat verstanden, dass das übliche politische Schlachtfeld, Innenpolitik, durch ein paar Gesetze Gerechtigkeit zu simulieren, den anderen Parteien ans Bein pinkeln, Politiksimulation ist. Als Person und in ihrem Handeln hat sie sich, Martin Schulz und seinen linkspopulistischen Gerede zum Trotz, längst über den poliitischen Alltag hinaus etabliert. 

Die Ebene, auf der Merkel (und Schäuble) agieren, ist global, dem Exportweltmeister Deutschland angemessen, und, dem Machtpotential einer Mittelmacht in einer globalen Stellungspiel entsprechend, verhalten. 

Deutschland steht gut da. Europa muss gucken, dass es zusammen hält. Es gibt keine einfache Lösung, sondern nur langsame Bewegungen. 

Ich bin gespannt, was Jung von Matt mit Merkel macht. Wenn er das Alleinstellungsmerkmal begreift und ins Zentrum stellen kann, werden sich die Umverteilungspolitiker von r2g noch ganz ganz warm anziehen müssen.

Die Grünen waren lange Jahre vor allem, das ist jetzt deskriptiv gemeint, ein binnendeutsches Wohlfühlprojekt. Sie sind ein deutscher Sonderweg. Eine Generation hat sich in Abgrenzung zur Väter- (ob Mütter-, müssten wir länger debattieren) Generation neu erfunden. Als Antwort eines gewaltsam kalten National(sozial)ismus hat sie den Blick aufs Ganze gewagt und so über Deutschland hinaus in die Welt gewirkt. 

 

Die Formulierung einer Politik aus dem Wohl des Ganzen heraus. Bürgerlich selbstbewusst, idealistisch, unter Ausblendung eigener Interessen. Mit freundlichen Grüßen an den herrschaftsfreien Diskurs von Jürgen Habermas. 

 

So war das am Anfang. Und auch jetzt ist die Idee mit dem Weltfrieden und Pazifismus nicht falsch. Aber wer grüne Auftritte in den Talkshows der vergangenen Wochen beobachtet, stellt fest: Richtig fühlt sich das nicht mehr an. 

 

Eine richtige Idee, aber zur falschen Zeit. Es fehlt nämlich an einer Haltung zur Welt im Hier und jetzt. Und zwar unabhängig davon, ob die linksgrüne Simone Peter wieder mal die ganze Welt umarmt, die Ängste der eigene Bevölkerung aber nicht versteht oder ob Katrin Göring-Eckardt ihr sanftes Licht über der Welt leuchten lässt. Wenn der Glanz der schönen Rede endet, liegt wieder alles ganz dunkel da. 

 

Beruhigen kann beides nicht. Statt Perspektive hinterlässt es Ratlosigkeit. 

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Und ist das das richtige Rezept gegen die AfD? Die Frage wird dauernd verkehrt gestellt. Was richtig ist, um die AfD zurück zu drängen, entscheidet sich erst einmal in der Wahrnehmung der eigenen Wahloption durch den Wähler. Und zwar nicht im Einzelnen, was die Parteien denn so detailliert in ihre Programme schreiben, sondern ob der potentielle Wähler das Gefühl hat, sie teilen seine Weltwahrnehmung. 

Die deutsche Linke, und da subsumiere ich jetzt mal auch die Grünen drüber, obwohl meine Hoffnung noch nciht verloren ist, dass es eben keine klasssiche linke Partei ist, die deutsche Linke also meint immer, wenn sie noch mehr Instrumente für Umverteiung entwickelt und fordert, dann wird alles gut. 

Komplett falsch. 

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auch wenn man es nicht teilt, man sollte es lesen. Er ist immer noch der klügste unter den Linken.

taz vom Dienstag, 24.1. (Seite 3)

„Wir brauchen Disziplin“

GRÜNE ZUKUNFT Weniger Koalitionstaktik, mehr Einsatz für Klimaschutz, Mobilitätswende, soziale Gerechtigkeit und für Europa fordert Jürgen Trittin

https://www.taz.de/!5373387

Warum er aber falsch liegt, demnächst hier!

Das ist nochmal gut gegangen. Mit Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt ziehen die Grünen mit zwei Realos in den Wahlkampf. Wer Erleichterung spürt, sei gewarnt. Viele meiner Bekannten, wirtschaftsnah, realistisch, nach vorne denkend, grün geneigt, sind verstört über das aktuelle Bild, das diese Partei abgibt. Die Kritik: Der Sichtbarkeit nach ist Jürgen Trittin der Spitzenkandidat, Katrin-Göring-Eckardt spreche lang, am Ende wüsste man aber nicht, was sie gesagt habe. Und mit ihren Münsteraner Beschlüssen hätten die Grünen einmal mehr gezeigt, dass sie eine Partei der Besserwisser und Umverteiler sein wollen, dass sie lieber als linke Protestpartei mit einstelligen Ergebnissen die wahre Lehre verkörpern möchten als mit Kretschmanns Wahlergebnissen mitregieren zu wollen. 
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Ich sehe mir inzwischen keine Talkshows mehr an. Wenn ich es aber, wie am Wochenende, als Edmund Stoiber, Olaf Scholz und Simone Peter miteinander stritten, doch tue, dann mit den Augen von Menschen, die sich einfach mal informieren wollen. 

Sie erlebten einen tobenden Stoiber, einen unendlich gelassenen Olaf Scholz und eine Simone Peter, die auch was sagte. Das war von außerordentlicher Wolkigkeit, dass auch ich nicht wusste, was sie eigentiich will. 

Grüner Sidestep

In einem anderen Zusammenhang schrieb, die Zeit, Mariam Lau, vergangene Woche, wer die Grünen derzeit erlebe, wüsste, was diese an den anderen Parteien kritisieren. Sie wüssten aber nicht, wofür sie stehen.

Man kann nur hoffen, dass das besser wird, wenn Cem Özdemir am Mittwoch als Spitzenkandidat nominiert wird. Vergangenes Jahr hat er bewiesen, dass er Gespür hat. 

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