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Hans-Werner Sinn hat mit seinem Kommentqr am 8.8.2016 im Handelsblatt recht. Statt mit dem Finger auf Großbritannien zu zeigen, sollten die Europäer verstehen, dass das Thema Armutsmigration (und die damit verbundenen Verteilungskämpfe) sie selbst betreffen. Das Wohlstandsgefälle ist einfach zu hoch und die Fähigkeit der Gesellschaften, sich selber neu zu erfinden (sprich, politisch für Ausgleich zu sorgen) zu schwach. Deswegen:  Handlungsfähigkeit ist gefragt! 

Auch wenn das kein einfaches Anliegen ist. Wann lernen wir eigentlich, die europäische Debatte in der notwendigen Komplexitat zu führen? 

Heute, 8.8. im Handelsblatt: Angesichts der wachsenden Probleme müsse Merkel endlich „eine Schippe drauflegen“, warnt der Chef des Verbands „Die Familienunternehmer“, Lutz Goebel. Seine Forderung: 1000 Euro pro Monat und Kopf vom Staat für Firmen, die Flüchtlinge ausbilden und ihnen im Betrieb die Sprache vermitteln.


Warum der Vorschlag gut ist? Integration funktioniert nicht, wenn man sie nur Behörden überlässt (was keine Kritik an den Behörden ist). Sie muss von der ganzen Gesellschaft geleistet werden. Unternehmen haben ein Interesse an Mitarbeitern, die sich verständigen können. Dann mal los! 

 

„Wir haben keine Gelegenheit ausgelassen, unsere Überlegenheit vorzuführen: So viel intelligenter, humorvoller, klarsichtiger sind wir. Wir trennen unseren Müll, und unsere Grammatik ist perfekt. Es mag nur ein Unterton sein, der unsere Arroganz verrät, doch wir sollten anfangen, ihn zu hören. Bei den Abgehängten ist die Botschaft nämlich längst angekommen. Für die Autoritären war es dann leicht, freiheitliches Denken und Verantwortungsgefühl als Luxus zu diskreditieren, den nur wenige sich leisten können. Toleranz sei die Ideologie der Macht, sagen sie. Das ist falsch und manipulativ, aber es offenbart unsere größte Schwäche.“
Endlich einnal ein selbstreflektierter Beitrag, der den jungen, dynamischen, schlanken Weltenrettern, uns also, den Spiegel vorhält. In der Zeit. 
Gestern abend war ich (Westdeutscher) in der Kneipe, mit meiner Freundin (Ostberlinerin), einer ihrer langjährigen Freundin (Westberlinerin), allesamt grünes Umfeld. Aber halt unterschiedliche Biographien. Wir haben dann über China geredet, dass chinesische Filme für uns oftmals nicht decodierbar sind und dann fiel das Stichwort: Im Chinesischen ist immer alles so unspezifisch, sie legen sich nicht fest,sie sind so unentschieden, bis zum letzten Augenblick. 
Das Leben ist ein langer, träger Fluß. Warum tun wir uns so schwer, das zu akzeptieren?
Ich wandt (wendete??) ein, dass dann a) Merkel doch eine echte Chinesin sei, und b) dass das vielleicht gar keine Unentschiedenheit sei, sondern eine andere Haltung: Dass nämlich der Mensch eben nicht immer Herr seiner Geschichte sei. Und deswegen wären vielleicht auch die Filme wie ein „langer, träger Fluß“ daher kämen. Bei der Berlinale gab es ja einen Film zum Jangtse oder zum Gelben Fluß, bei dem es nicht, wie im westlichen Film, immer einen Helden (manchmal auch einen gescheiterten Helden) gab, sondern vor allem eben das Leben, die Welt, die an einem vorbei zieht. Ausgang offen! Und vieles, was im Westen scheinbar sinnhaft gedeutet wird, ist eben gar nicht sinnhaft (oder wird erst im Nachhinein, als Ideologie, sinnhaft interpretiert).

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank David Folkerts-Landau hat die erste fundierte und originelle Analyse des Brexit gegeben. Er empfielt: Nüchtern bleiben und siet gar keine schlchten Chancen für UK. Deutscher Bank Chefvolkswirt über Brexit

Die Briten haben entschieden. Und fieberhaft suchen die einen nach Auswegen, wie das Volksvotum doch noch umzudeuten ist, die anderen wollen den Rauswurf mit Fußtritt, damit nicht (ja, da schau her:) Frankreich, Holland, Spanien auch noch austreten, nicht, weil die jetzt regierenden Politiker wollen, sondern die, die in den Startlöchern stehen: Rechtspopulisten.
Und die Linke (also, die versammelte Linke rot, rot und grün): Die will mehr Europa. Mehr gerechtes Europa, wie es z.B. Michael Braun, der taz Korrespondent in Rom, fordert. Und da geht der Irrsinn weiter. Man diskutiert nicht, wie mehr Gerechtigkeit herzustellen ist (und wie die notwendige wirtschaftliche Kraft erhalten oder gesteigert werden kann), sondern beschwört einfach, dass es geht. 
Schön wär’s. 

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Steven Hill, Amerikaner, hat einen sehr lesenswerten Beitrag geschrieben in der aktuellen Zeit. Europa ist eine Supermacht, meint er. Der Blick darauf, wie lange das Nationbulding in den USA gedauert hat, hilft einem, die Hysterie hinter sich zu lassen. 

In meinem Archiv hier zu finden:

https://www.evernote.com/shard/s39/sh/bf0727f3-ee83-4b96-a9f2-330394a9528a/1346abb90dd49cd3472c7764784f0e98

Ich sag’s mal so. Manchmal muss man erstmal zur Kenntnis nehmen, dass sich Menschen entscheiden. Wenn man der Meinung ist, und das sollten wir alle sein, dass Demokratie daraus besteht, dass Bürger (und Bürgerinnen natürlich auch) entscheiden, hat man eigentlich seine Klappe zu halten: Sie sind der Souverän! So, und dann kann man mal drüber nachdenken, warum das so ist und war, dass die Briten davon wollen. 

Ja, es kann sein, dass das dazu führt, dass das Wirtschaftswachstum schrumpft. Es ist das Recht der Briten, das so zu entscheiden. Vielleicht wird ja auch das Wirtschaftswachstum schwächer, aber die nichtkakademischen Berufsgruppen kriegen einen Aufschwung, dann werden auch die Folgen des Brexit von denen ganz anders wahrgenommen als wir, als manche von uns vermuten und antizipieren würden. 

Nobody Knows!

Um das klarzustellen: Auch ich hätte es für besser gefunden, wenn die Briten blieben. Aber jeder ist seines Glückes Schmied. Wir werden jetzt sehen, wie sich das entwickelt. #reallylivecontestbrexit

P.S. Und die Überheblichkeit, man wüsste auf jeden Fall besser, was besser ist (fragt sich ja auch immer: für wen), die könnten sich viele auch mal abschminken. 

in der aktuellen Zeit. 

Du. Mich. Auch.

In den USA, in Großbritannien und Frankreich sind die Konservativen gespalten wie nie – und auch in Deutschland. Doch CDU und CSU wollen sich am Wochenende versöhnen. Viel Spaß!

VON MATTHIAS GEIS UND BERND ULRICH 

VON MATTHIAS GEIS UND BERND ULRICHSeit den Politikern weitgehend die Kontrolle über die Ereignisse entglitten ist, fällt ihnen all das schwer, was früher zum Alltagsgeschäft gehörte. Beispielsweise der Spin. Zu brachial drückt sich die Wirklichkeit durch, als dass das funktionale Flunkern noch funktionieren würde. Wenn etwa Horst Seehofer die Versöhnung zwischen CDU und CSU zur »Chefsache« erklärt, denkt man gleich: Er droht schon wieder. Wenn sich die beiden vergifteten Schwesterparteien am kommenden Wochenende bei Berlin in großer Delegation treffen, um endlich ihren mittlerweile zehn Monate währenden Streit beizulegen, dann ahnt man schon: Sie werden die Feuerpause als Frieden verkaufen. Wie denn anders?Am Tag vor der angeblich beabsichtigten Wiederverschwisterung der Unionsparteien findet ein Weltereignis statt, das erklärt, warum es keine Versöhnung von Potsdam geben kann. Da stimmen die Briten über ihre EU-Mitgliedschaft ab. Und wer steht sich da diametral gegenüber? Zwei Tories, David Cameron für den Verbleib, Boris Johnson für den Exit. Die konservative Partei auf der Insel ist in einer existenziellen Frage zutiefst gespalten. 

Wobei die Situation auch ganz kurz zu beschreiben wäre: jetzt erwischt es halt die Konservativen, dass die Zeiten härter werden. Die Linke hat das schon hinter sich. Nee, bleibt drin. Es gibt keine Lösung.

Ausser einer Formel, die motiviert, aktiivert, zusammenhält. Aber im Ernst, es geht nicht um was Rationales. Es geht ums Probieren. 

Politik ist schon lange kein Geschäft für Nüchterne mehr. Man berauscht sich gerne, gerne auch gemeinsam mit den Medien. Und vor allem an sich selbst. Das neueste Aphrodisiakum, besser Autoaphrodisiakum von Politik und Medien (man schreibt sich ja sonst nix) heisst r2g, das hat nen intelligenten Anstrich, ist aber mehr vom alten Gleichen: Mehr Politik, mehr Umverteilung, die, potzblitz, mehr Gerechtigkeit möglich machen soll. Jede der drei Parteien hat große Pläne. In so einer „Wir bestellen, ihr bezahlt“ Koalition würden sich die schlechten Eigenschaften aller drei Parteien aufs Schlechteste potenzieren. 

Pläne über Pläne (wobei sich die Pläne ja nie so realisieren, sondern nur die Kosten), gute Vorsätze, die nur den Nachteil haben, dass sie einfach nebeneinander gestellt und aufaddiert werden würden. Niemand würde fragen, wie man aus drei Plänchen eine Richtungsentscheidung machen könnte. 

Richtig ist, dass die Menschen mehr Gerechtigkeit möchten. Richtig, aber das fragt halt kein Meinungsforscher, ist aber auch, dass die meisten Menschen zutreffenderweise die Hoffnung aufgegeben haben, die Politik könnte eine gerechte Welt schaffen. Sie könnte, wenn sie richtig drüber reden würden, Richtungen korrigieren, Weichen stellen, Chancen nutzen, die sich auftun. Aber sie kann halt  die nüchterne Wirklichkeit nicht in Nichts auflösen. Der Trend heißt Globalisierung. Und Deutschland, das als eines der wenigen europäischen Länder die unschöne Wirklichkeit angenommen hat, liegt noch ganz gut. Zurück zum Nachkriegsdeutschland, davon träumt die AFD. Aber das wird ihr nicht helfen. Und Deutschland und Europa auch nicht. Nachkriegsdeutschland wird nicht zurück kommen. 

Die Frage, die zu lösen ist, lautet, wie wir den Zusammenhalt in härter werdenden Zeiten gewährleisten können. Es geht darum, besser zu werden, sprich wettbewerbsfähiger und die Exzesse der Globalisierung bannen zu lernen. Kein einfaches Unterfangen. Und die Antwort auf diese Frage wird ein bißchen Zauberei, ein bißchen Mut sein und ein bißchen politische Weichenstellung. Aber jede Partei muss für sich sehen, was da passt. Womit sie sich wohlfühlt. Und die Wählerinnen und Wähler. Dann muss sie für sich und ihre Konzepte werben und am Schluss wird abgerechnet. 

Ein linkes Projekt will, sorry, keine Sau. Nur die, die direkt damit Karriere machen können. 

Aber wer sagt das mal den handelnden Personen?

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